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So weit, so gut. Ich habe mich nach dem Unfall erstaunlich schnell erholt. Ausser einem halben Meter Narben erinnerte mich eigentlich nichts mehr daran.
Erst später wurde mir klar, welches Souvenir ich wirklich von dem Unfall mitgebracht hatte. Ich wollte mich 1995 gegen Hepatitis-A impfen lassen. Mein Hausarzt empfahl mir eine
Blutuntersuchung, um festzustellen ob ich schon einmal mit dem Hepatitis-A Virus in Berührung gekommen bin. Dann würde sich eine Impfung erledigen.
Statt dessen fielen eigentlich nur meine extrem hohen Leberwerte auf. Mein Arzt fragte mich damals, ob ich schon mal gerne ein Gläschen Bier trinken würde. Dem war so, und wir führten die hohen Leberwerte auf meinen Alkoholkonsum zurück. Diese erschreckte mich allerdings derart, daß ich seit dem 05.11.1995 keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt habe.
Ein Jahr später ging ich noch einmal zur Blutuntersuchung um mir die Normalisierung meiner Leberwerte bestätigen zu lassen. Doch Pustekuchen, die Leberwerte waren immer noch schlecht. Nun ließ mein Hausarzt mein Blut genauer untersuchen. Er hatte sofort den Verdacht, daß es sich um das Hepatitis-C Virus handelt. Einige Tage später kam dann die Bestätigung. Ich hatte Hepatitis-C (HCV) Antikörper im Blut. Allerdings wurden keine aktiven Viren gefunden (was seinerzeit auf die ungenauen Messmethoden zurückzuführen war). Bei einer weiteren Untersuchung im Jahr 1998, die Leberwerte stagnierten auf hohem Niveau, fand man dann auch aktive Viren.
Die Behandlung
Man riet mir zu einer Behandlung. Zu diesem Zweck wurde ich an einen angeblichen “Fachmann” überwiesen. Es gäbe nur eine Standardtherapie, und die müsste ich jetzt machen, wurde mir gesagt. So begab ich mich in das Krankenhaus Radevormwald und die Therapie wurde eingeleitet. Pikanterweise wurde
eine Leberbiopsie erst am zweiten Tag der Behandlung durchgeführt. Ein totaler Schwachsinn, wie ich später herausfand. Eine Behandlung darf normalerweise nicht begonnen werden, wenn nicht zuvor eine Biopsie durchgeführt wurde, und vor allem deren Ergebnis vorliegt.
Wie dem auch sei, jedenfalls warf ich mir die Medikamente ein. Täglich Ribavirin-Tabletten und drei mal wöchentlich eine Spritze mit Interferon. Die (Neben)Wirkung war
enorm! Ich hatte das Gefühl eine Grippe zu bekommen. Gliederschmerzen, Fieber usw. Im weiteren Verlauf kamen etliche neue Nebenwirkungen hinzu, deren Aufzählung hier zu weit führen würde. Wer sich dennoch dafür
interessiert: Ich habe wärend der ganzen Zeit auf Anraten meines Hausarztes ein Nebenwirkungstagebuch geführt. In dem Tagebuch habe ich übrigens nicht notiert, daß ich oft sehr depressiv war und des öfteren Suizid-Gedanken hatte (ebenfalls eine Nebenwirkung von Interferon).
Das Ende vom Lied: Ich war nach der Behandlung zwei Monate “virenfrei”. Im dritten Monat konnte man allerdings wieder Viren nachweisen. Ich war also ein sog. Relapser. Dies ist nicht weiter ungewöhnlich, denn ca. 50-80% aller Behandelten erleiden einen Rückfall bei
dieser Behandlungsmethode. Mit der neuesten Medikamentenkombination wird angeblich eine Heilungsrate von 57-80% erreicht. Mein Internist sagte mir jedoch, das die Erfolgschance bei Relapsern wesentlich geringer ist.
Schade nur, daß man sich die ganzen Nebenwirkungen für Lullu angetan hat. Außerdem hat die Krankenkasse ja auch noch ca. 40.000 DM für die Medikamente ausgegeben.
Noch schlimmer ist jedoch, daß ich mich jetzt wesentlich schlechter fühle als vor der Behandlung. Ich habe seit der Einnahme des Chemiecocktails (die Ärzte wissen selber nicht, wie oder
warum Ribavirin wirkt) erhebliche Probleme mich zu konzentrieren. Außerdem habe ich regelmässig Schmerzen in den Beinen, ähnlich den fieberähnlichen Schmerzen zu Beginn der Behandlung.
Für mich ist jedenfalls eines klar: Solange keine Therapie mit deutlich höheren Erfolgschancen auf dem Markt ist, werde ich keine weitere Behandlung in Angriff nehmen. Bei den
Erfahrungen die ich mit der Behandlung gemacht habe, kann ich diese auch niemandem empfehlen. Denn wie ich schon sagte: Vorher habe ich mich besser gefühlt!
Seither lebe ich mit den Auswirkungen der HCV und den Neben- bzw. Nachwirkungen der Behandlung. Ich bin oft müde, auch mal gereizt. Alles völlig normale Nebenwirkungen einer HCV. Sie
würden wohl nicht auffallen wenn ich nicht wüsste woher sie kommen.
Fazit: Solange ich ohne Komplikationen leben kann, solange versuche ich das Leben einfach zu genießen!
Wer Fragen zu dem Thema hat, kann mich gerne kontaktieren (Feedback Button).
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