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Hepatitis C

Seit einem Autounfall und der daran anschließenden Notoperation mit Bluttransfusion am 01.02.1988 bin ich mit dem Hepatitis-C Virus infiziert. Hier möchte ich u.A. einige Informationen zu dieser Krankheit geben. Die meisten Links verweisen auf Informationen des Deutschen Hepatitis-C Forums. Wer umfassende Informationen zu diesem Thema sucht, ist mit deren Homepage bestens bedient.

Wie es dazu kam:

Am 01.02.1988 kaufte ich mir zusammen mit meinem Freund Arndt. M. einen gebrauchten, ziemlich schrottigen Golf GTI zum Ausschlachten. Wir waren beide im Besitz eines Golf I und konnten noch etliche Teile aus diesem Fahrzeug gebrauchen.

Abends etwa gegen 18.00 Uhr holten wir den Wagen in Wuppertal ab. Später drehten wir noch ein paar Runden zusammen mit meiner damaligen Freundin durch Remscheid-Lennep. Gegen 20.30 Uhr brachte ich meine Freundin nach Hause.

Danach wollten wir noch mit einigen Freunden in eine Kneipe nach Bergisch Born fahren. Diese fuhren in einem zweiten Fahrzeug hinter uns her.

Auf dem Weg zu der Kneipe begegnet uns ein Rettungswagen, der später noch eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen sollte.

Etwa einen Kilometer später meint Arndt M., ich solle den Anderen doch mal zeigen, was noch in der Karre steckt. Als “toller Rennfahrer” der ich damals war, ging ich natürlich darauf ein, und gab Vollgas.

Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt mehr als ungünstig. Es war etwa 5°C warm und es nieselte. Die Straße war also feucht. Auf der Landstraße, welche wir befuhren, war seinerzeit noch eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h erlaubt. Nach kurzer Zeit hatte ich allerdings schon eine Geschwindigkeit von ca. 160 km/h erreicht.

In einer leichten Rechtskurve durchfuhr ich eine Bodenwelle. Der Wagen brach aus, ich versuchte ihn abzufangen, schleuderte nach links, dann nach rechts. Ein hölzerner Strommast kam immer näher. Der Wagen drehte sich noch, und wir erwischten den Strommast genau in Höhe der Fahrertür. Der Mast brach wie ein Streichholz ab und drückte das Dach, die Türe und meinen Brustkorb ein. Der Wagen schleuderte nach links, raste in ein angrenzendes Waldstück und traf mit der rechten Seite auf zwei Bäume, die ebenfalls wegrasiert wurden, aber nicht ohne bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Zwischenzeitlich waren unsere Sitze nach hinten abgebrochen und wir lagen quasi auf der Rücksitzbank. Das war auch gut so, denn ansonsten hätte es uns die Schädel zertrümmert.

Danach war alles sehr ruhig. Ich kam erst wieder zu mir, als ich meinen Kumpel Roman N. sah (der in dem Fahrzeug hinter uns war) und ihm die Jacke vollblutete. Ich bekam schlecht Luft und mir wurde kalt. Später bemerkte ich noch, wie die Feuerwehr vergeblich versuchte die Fahrertür aufzubrechen. Dann war erst mal alles Dunkel. Ich erinnere mich noch an ein paar Szenen im Krankenhaus und dann erst wieder an mein Aufwachen auf der Intensivstation.

Meinem Freund Arndt M. war zum Glück ausser einer kleinen Schramme nichts passiert. Zum Krankenhaus wurde ich mit dem Rettungswagen transportiert der uns kurz zuvor entgegengekommen war. Das Perverse daran: Arndt M. fuhr in dem Rettungswagen mit und unterhielt sich mit den Fahrern. Diese berichteten ihm, daß wir ihnen zuvor schon durch eine recht flotte Fahrweise aufgefallen waren. Der Fahrer sagte darauf hin: “Die haben wir irgendwann auch mal hinten drin liegen”. Er meinte, er würde so etwas nie wieder sagen. Wie war das noch mit der sich selbst erfüllenden Prophezeihung?  

Der Bericht der Bergischen Morgenpost vom 02.02.1988

Der Artikel in der BILD-Zeitung am 02.02.1988

Hier ein paar Fotos von dem völlig zerstörten Golf GTI. Die Aufnahmen wurden am 02.02.1988 auf dem Sicherstellungsgelände der Fa. Neeb in Remscheid aufgenommen.

Der Polizeipräsident lies mir noch ein nettes Schreiben zukommen. Man beachte die Auflagen!!!

Einige (leider sehr schlechte) Fotos von der Unfallstelle. Kurz nach meinem Unfall wurde die Delle in der Straße beseitigt und die Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h begrenzt. Dies hinderte jedoch einen anderen Autofahrer nicht daran, 2002 den gleichen Unfall noch einmal zu bauen. Er knickte ebenfalls den Strommast um, und rasierte einige Bäume ab.

Hier das angrenzende Waldstück mit dem Kleinholz.

Im Vordergrund zu sehen: Der abgeknickte Strommast. Im Hintergrund der Rest eines Baumes.

Makaber: Im Hintergrund ist der Audi meines Vaters zu sehen, in dem meine Schwester einige Monate später tödlich verunglückt.

Strommast im April 2003

Der Strommast im April 2003

Im Krankenhaus in Remscheid-Lennep hat man mir dann unter Leitung von Dr. Wali Nawaz das Leben gerettet. (An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank). In einer fünfstündigen Notoperation wurde ich wieder zusammengeflickt. Im Laufe der Operation bekomme ich etwa fünf Liter Blutkonserven. Was man zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Eine dieser Konserven enthält ein zu diesem Zeitpunkt noch unbekanntes Virus.

Krankenhaus Remscheid-Lennep

Hier habe ich gelegen






Dort bin ich infiziert worden

Der Operationsbericht

Der Bericht an meinen Hausarzt

So weit, so gut. Ich habe mich nach dem Unfall erstaunlich schnell erholt. Ausser einem halben Meter Narben erinnerte mich eigentlich nichts mehr daran.

Erst später wurde mir klar, welches Souvenir ich wirklich von dem Unfall mitgebracht hatte. Ich wollte mich 1995 gegen Hepatitis-A impfen lassen. Mein Hausarzt empfahl mir eine Blutuntersuchung, um festzustellen ob ich schon einmal mit dem Hepatitis-A Virus in Berührung gekommen bin. Dann würde sich eine Impfung erledigen.

Statt dessen fielen eigentlich nur meine extrem hohen Leberwerte auf. Mein Arzt fragte mich damals, ob ich schon mal gerne ein Gläschen Bier trinken würde. Dem war so, und wir führten die hohen Leberwerte auf meinen Alkoholkonsum zurück. Diese erschreckte mich allerdings derart, daß ich seit dem 05.11.1995 keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt habe.

Ein Jahr später ging ich noch einmal zur Blutuntersuchung um mir die Normalisierung meiner Leberwerte bestätigen zu lassen. Doch Pustekuchen, die Leberwerte waren immer noch schlecht. Nun ließ mein Hausarzt mein Blut genauer untersuchen. Er hatte sofort den Verdacht, daß es sich um das Hepatitis-C Virus handelt. Einige Tage später kam dann die Bestätigung. Ich hatte Hepatitis-C (HCV) Antikörper im Blut. Allerdings wurden keine aktiven Viren gefunden (was seinerzeit auf die ungenauen Messmethoden zurückzuführen war).  Bei einer weiteren Untersuchung im Jahr 1998, die Leberwerte stagnierten auf hohem Niveau, fand man dann auch aktive Viren.

Die Behandlung

Man riet mir zu einer Behandlung. Zu diesem Zweck wurde ich an einen angeblichen “Fachmann” überwiesen. Es gäbe nur eine Standardtherapie, und die müsste ich jetzt machen, wurde mir gesagt. So begab ich mich in das Krankenhaus Radevormwald und die Therapie wurde eingeleitet. Pikanterweise wurde eine Leberbiopsie erst am zweiten Tag der Behandlung durchgeführt. Ein totaler Schwachsinn, wie ich später herausfand. Eine Behandlung darf normalerweise nicht begonnen werden, wenn nicht zuvor eine Biopsie durchgeführt wurde, und vor allem deren Ergebnis vorliegt.

Wie dem auch sei, jedenfalls warf ich mir die Medikamente ein. Täglich Ribavirin-Tabletten und drei mal wöchentlich eine Spritze mit Interferon. Die (Neben)Wirkung war enorm! Ich hatte das Gefühl eine Grippe zu bekommen. Gliederschmerzen, Fieber usw. Im weiteren Verlauf kamen etliche neue Nebenwirkungen hinzu, deren Aufzählung hier zu weit führen würde. Wer sich dennoch dafür interessiert: Ich habe wärend der ganzen Zeit auf Anraten meines Hausarztes ein Nebenwirkungstagebuch geführt. In dem Tagebuch habe ich übrigens nicht notiert, daß ich oft sehr depressiv war und des öfteren Suizid-Gedanken hatte (ebenfalls eine Nebenwirkung von Interferon).

Das Ende vom Lied: Ich war nach der Behandlung zwei Monate “virenfrei”. Im dritten Monat konnte man allerdings wieder Viren nachweisen. Ich war also ein sog. Relapser. Dies ist nicht weiter ungewöhnlich, denn ca. 50-80% aller Behandelten erleiden einen Rückfall bei dieser Behandlungsmethode. Mit der neuesten Medikamentenkombination wird angeblich eine Heilungsrate von 57-80% erreicht. Mein Internist sagte mir jedoch, das die Erfolgschance bei Relapsern wesentlich geringer ist.

Schade nur, daß man sich die ganzen Nebenwirkungen für Lullu angetan hat. Außerdem hat die Krankenkasse ja auch noch ca. 40.000 DM für die Medikamente ausgegeben.

Noch schlimmer ist jedoch, daß ich mich jetzt wesentlich schlechter fühle als vor der Behandlung. Ich habe seit der Einnahme des Chemiecocktails (die Ärzte wissen selber nicht, wie oder warum Ribavirin wirkt) erhebliche Probleme mich zu konzentrieren. Außerdem habe ich regelmässig Schmerzen in den Beinen, ähnlich den fieberähnlichen Schmerzen zu Beginn der Behandlung.

Für mich ist jedenfalls eines klar: Solange keine Therapie mit deutlich höheren Erfolgschancen auf dem Markt ist, werde ich keine weitere Behandlung in Angriff nehmen. Bei den Erfahrungen die ich mit der Behandlung gemacht habe, kann ich diese auch niemandem empfehlen. Denn wie ich schon sagte: Vorher habe ich mich besser gefühlt!

Seither lebe ich mit den Auswirkungen der HCV und den Neben- bzw. Nachwirkungen der Behandlung. Ich bin oft müde, auch mal gereizt. Alles völlig normale Nebenwirkungen einer HCV. Sie würden wohl nicht auffallen wenn ich nicht wüsste woher sie kommen.

Fazit: Solange ich ohne Komplikationen leben kann, solange versuche ich das Leben einfach zu genießen!

 

Wer Fragen zu dem Thema hat, kann mich gerne kontaktieren (Feedback Button).

 

Für die freundliche Unterstützung meiner Reise- und Filmprojekte danke ich folgenden Firmen:

 

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